DOMuCat - ein digitales Orgelmusikverzeichnis

DOMuCat steht für Digital Organ Music Catalog. Das von der DFG geförderte Forschungsprojekt hat das Ziel, eine online frei zugängliche und flexibel erweiterbare Datenbank für Orgelmusik zu entwickeln. Das Projekt ist eine Kooperation des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Universität Greifswald und dem Centre for Digital Music Documentation (CDMD) der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz.

 

Inhaltliche Konzeption

Seit dem späten Mittelalter entstand und entsteht bis heute eine Vielfalt von Orgelkompositionen, mit zahlreichen Charakteristika je nach Zeitpunkt, Ort und Zweck ihrer Entstehung. Die lange Geschichte des Orgelspiels brachte eine Vielzahl kompositorischer Stile, Techniken und Formen hervor. Durch die frühe Etablierung der Orgel als gottesdienstliches Instrument ist ein Großteil der Orgelmusik mit konkreten (liturgischen) Anlässen verbunden und bezieht sich oft auf präexistente Vorlagen wie etwa gregorianische Gesänge oder Kirchenlieder. Zudem ist die Kompositionsart der Orgelwerke eng mit den regional- und zeitspezifischen Entwicklungen des Orgelbaus verbunden, sodass nicht jedes Orgelstück auf jeder Orgel uneingeschränkt darstellbar ist. Diese und auch noch weitere Gesichtspunkte machen die Systematisierung der Orgelliteratur zu einem komplexen Unterfangen. Im Rahmen des DOMuCat-Projektes sollen Orgelwerke aus unterschiedlichen Quellen, zunächst aus bestehenden Verzeichnissen, in einer Datenbank zusammengeführt und vereinheitlicht werden. Zudem wird die Verzeichnung zahlreicher Metadaten ermöglicht, sodass die Datenbank unter verschiedensten praxisnahen Aspekten durchsucht werden kann. Neben gängigen Kriterien wie Komponist*innen und Titelbestandteilen soll auch die Suche nach liturgischer Verwendung, verarbeiteten Melodien sowie Bezügen zu Texten, Werken der Musik oder der bildenden Kunst, Orten und Ereignissen möglich sein. Je nach Verfügbarkeit ist auch der Verweis auf Bezugsquellen für das Notenmaterial geplant.

 

Technische Konzeption

Für die technische Umsetzung des Projekts zeichnet das Centre for Digital Music Documentation (CDMD) der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz verantwortlich. Das Orgelmusik-Verzeichnis wird unter Verwendung des Metadateneditors MerMEId erstellt, mit dem qualitativ hochwertige Forschungsdaten für die digitale Musikwissenschaft erstellt werden. Der Editor befindet sich aktuell in Weiterentwicklung und wird künftig sowohl anschlussfähige MEI- als auch RDF-Daten produzieren. Der Datenbestand des DOMuCat-Projekts bildet zugleich ein größeres Testkorpus für den Editor.

Die Datenbestände zur Orgelmusik werden aus unterschiedlichen Quellen gewonnen, zunächst aus digitalen Verzeichnissen wie Bibliothekskatalogen (Bibliotheksverbund K10plus, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek) und RISM. Ergänzend werden standardisierte Werk- und Personennormdaten aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) herangezogen.  Später sollen auch Daten aus gedruckten Verzeichnissen mittels automatischer Texterkennung (OCR) ausgewertet und einbezogen werden. Um die großen Datenmengen zu bewältigen, werden für das Einpflegen der Daten automatisierte Routinen entwickelt.

Durch die Einbindung in die Nationale Forschungsdateninfrastruktur NFDI4Culture und die Einbindung der DOMuCat-Daten in den Culture Knowledge Graph (CKG) ist das Projekt keine isolierte Speziallösung. Stattdessen wird es Teil eines vernetzten, interdisziplinären Forschungsumfelds und kann auf diese Weise sowohl fachlich als auch technisch in größere Zusammenhänge eingebunden werden.

Infos

DFG-Projektnummer

569719257

 

Projektleitung

Prof. Dr. Matthias Schneider

Dr. Kristina Richts-Matthaei

 

Mitarbeitende

Dr. Friedrich Kühn